11 Fragen an.. Bodo Wester

Bodo Wester1. Kannst du dich kurz vorstellen?
Mein Name ist Bodo Wester, ich bin 46 Jahre alt, und wohne im Bergischen Land, mitten auf dem Kölsch/Alt Äquator.

2. Wie bist du Hobbybrauer geworden?
Das ist schon lange her. Anfang der 2000er merkte ich, dass dieses Kaufbier doch irgendwie alles gleich schmeckt, und habe vermehrt Bier aus kleinen Hausbrauereien getrunken. Das wurde auf die Dauer aber recht teuer, und da ich viel selber mache, habe ich mir dann den Hanghofer zugelegt und 2005 einfach mal mit dem brauen angefangen.

3. Wie sieht ein typischer Brautag bei dir aus? Hast du Rituale?
Einen typischen Brautag gibt es nicht. Ich überlege meist spontan (sehr zum Leidwesen meiner Frau) dass ich doch morgen brauen könnte. Morgen ist meist Sonntag, und da sind wir meist erst nach 12:00 mit dem Frühstück fertig, so dass ich erst gegen Nachmittag hektisch mit dem brauen anfange. Rituale habe ich nur, dass es kaum einen Brautag ohne Katastrophe gibt. Auch mit über 13 Jahren Erfahrung geht immer etwas schief. Beim letzten Mal habe ich den Gaskocher mit den Löchern nach unten eingebaut und wunderte mich, warum der nicht zündet.

4. Du bist der Mann hinter Hobbybrauer.de? Wie kam es dazu?
Das Forum habe ich vor einigen Jahren von Michael P. übernommen, da er keine Zeit mehr dazu hatte. Wir hatte das intensiv hinter den Linien (ich war damals schon Moderator) diskutiert aber keiner wollte den Job machen. Das Problem damals war, dass man als Forenbetreiber permanent mit einem Bein im Knast und mit dem anderen in der Falle der Abmahnindustrie steckte. Da ich jedoch mal beruflich was mit Recht zu tun hatte, hatte mich das nicht so verunsichert, und ich hab den Job übernommen.

5. Was unterscheidet das Forum z.B. von Gruppen auf Facebook?
Der Grundlegende Unterschied ist, dass wir sehr auf die Qualität der Beiträge achten. Wir werden deshalb auch öfter als hochnäsige Besserwisser bezeichnet, was uns nicht stört, denn im Mod Team sitzen gelernte sowie als auch studierte Brauer und die wissen es naturgemäß besser. Wenn dann jemand daherkommt und solange fragt bis er die Antwort bekommen möchte die er hören will, gibt es schon mal ein paar „besserwisserische“ Hinweise. Was da in den FB Gruppen von sog. Experten mit drei Suden auf dem Zettel geraten wird ist zum Teil echt hartes Zeug.

6. Manchmal wird im Forum heiß diskutiert. Wie organisiert ihr Admins euch im Hintergrund?
Wir habe da keine große Organisation. Irgendwer von uns ist immer online, und mit Jan der ja in den USA lebt, haben wir jetzt sogar die Nachtschicht abgedeckt. Wem als erster was auffällt, der steigt in die Bütt. Wobei ich mich da sehr zurückhalte und eher im Hintergrund aktiv bin.

7. Du gibst regelmässig Braukurse. Wie sind deine Erfahrungen mit Brauanfängern? Fangen alle direkt Feuer?
Die Braukurse sind echt immer lustig. Die Leute sind wissbegierig und machen immer toll mit. Ich habe auch schon Leute zwei Mal im Kurs gehabt, weil es Ihnen so viel Spaß gemacht hat. Neulich sagt mir eine Teilnehmerin, dass sei der beste VHS Kurs gewesen, den sie jemals gemacht hätte (und nein es war nicht ihr erster☺). Aus den Rückfragen per Mail oder Telefon weiß ich auch, dass einige tatsächlich mit dem brauen anfangen. Das freut mich dann immer am meisten.

8. Aus dem Forum heraus ist nun die Heimbrau Convention (HBCon) entstanden. Was muss man sich darunter vorstellen?
Die HBCon ist aus dem Wunsch heraus entstanden, eine Veranstaltung für alle Hobbybrauer aus DACH zu etablieren. Es gibt viele regionale Veranstaltungen, Treffen und Stammtische, jedoch nichts was sich explizit und überregional nur an Hobbybrauer richtet. Daher kam die Idee etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Das wichtigste dafür war für uns unabhängig zu sein (wie das Forum übrigens auch). Es gibt keinen Großsponsor wie eine Brauerei oder so etwas, die uns reinreden. Wir machen alles selber und hoffen auf eine schwarze Null. Die Veranstaltung legt den größten Wert auf das gemeinsame Kennenlernen untereinander und als zweites haben wir ein in Deutschland bislang einzigartiges Seminarprogramm zusammengestellt. So etwas hat es bisher noch nie gegeben.

9. Was erwartest du von der HBCon und wie soll es damit weiter gehen?
Das kann ich Dir gar nicht so genau sagen. Wir haben über 350 Leute, die wir für 2,5 Tage in einem alten Jagdschloss zusammenbringen und die ein gemeinsames Hobby verbindet. Es gibt Bier, Street Food, eine Messe mit allen Größen der Hobbybrauerwelt, eine mobile Brauerei die einen „Conventionsud“ fährt, eine Tombola mit tollen Preisen, einen BJCP Brauwettbewerb, wofür die Judges aus Amerika einfliegen und noch so viel mehr. Ich fühle mich wie mein 10-jähriger Sohn kurz vor der Bescherung. Aufgeregt, gespannt und auch ein bisschen besorgt ob auch alle Wünsche in Erfüllung gehen.

10. Ich weiss, dass du gerne mal ein Bierfestival besuchst. Welche Rollen spielen Festivals für dich?
Festivals nehme ich gerne mit, wenn es die Zeit zu lässt. Ich kenne da noch so einen Bekloppten mit dem im min. einmal im Jahr unterwegs bin. Der hat so eine Anleitung für angehende Hobbybrauer geschrieben 😉 Ich sterbe aber auch nicht, wenn ich mal nicht hinkann.

11. Abschließend die Frage nach deinem bisher besten selbtsgebrauten Bier. Kannst du das Rezept verraten?
Normalerweise veröffentliche ich meine Rezepte nicht, aber für die Brauanleitung mache ich mal eine Ausnahme. Es handelt sich um ein stilechtes Amerikan IPA in der Kategorie 21a der BJCP Richtlinien. Es zeichnet sich durch eine sehr gute drinkability aus, und ist nicht so stark wie die klassischen IPAs. Das kann man auch gut den ganzen Abend trinken.

Vielen Dank für deine Antworten!

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Rezept Nr. 8: Red Ale

Ein rotes Bier zu brauen ist für viele Hobbybrauer und gerade Anfänger immer ein grosser Anreiz. Diverse Malze versprechen eine rote Färbung, aber so einfach ist es in der Regel nicht. Eine rote Farbe ins Bier zu bekommen, hat auch etwas mit dem Prozess zu tun. Darüber hinaus sollte man sich auch die Frage stellen, was für ein gutes Bier wichtiger ist: Farbe oder Geschmack. Dieses Rezept verfolgt den Ansatz eines leckeren Bieres mit möglichst rötlicher Färbung.

Die Schüttung
In diesem Rezept kommt Pale Ale Malz als Basis in die Schüttung. Wer dies grad nicht zur Hand hat, kann auch Pilsner Malz oder Wiener Malz einsetzen. Damit das Bier einen malzigen Hintergrund bekommt, wird mit etwas Münchner Malz ergänzt. Für den roten Farbton sorgen Carared© als Karamellmalz und Melanoidinmalz. Die Schüttung wird mit etwas Chocolate Malt abgerundet. Neben dem rötlichen Farbton ist ein fein-malziger Körper das gewünschte Ziel.

Die Hopfung
Als Ergänzung zu dem malzigen Körper eigenen sich Hopfensorten mit einem ausgeprägten Zitrus Profil. Insbesondere sind hier die US-Sorten Cascade, Centennial und Chinook zu nennen. Aber auch Summit und Athanum sind geeignete Sorten. Als deutsche Sorten können Yellow Sub und Mandarina Bavaria in Betracht gezogen werden. Hopfensorten mit einem eher beerigen Profil, stellen eine spannenden Alternative dar, wenn jemand explizit kein Zitrus möchte.

Die Hefe
Da der Ansatz hinter diesem Rezept eher einem American Red Ale entspricht, empfehle ich zum Vergären die US-05. Diese Hefe unterstützt den fruchtigen Ansatz und garantiert einen passenden Restextrakt. Alternativ kann die BRY-97 oder die Nottingham Ale eingesetzt werden.

Was noch?
Um den rötlichen Farbton möglichst gut zu treffen, sind folgende Dinge wichtig. In jedem Fall sollte geduldig geläutert werden (Schritt 6 und 7) und auch der Whirlpool (Schritt 12) und das Hopfenseihen (Schritt 14) sollte sehr ruhig und sorgfältig sein. Ein weiterer wichtiger Schritt ist die kalte Reifung des Bieres (Schritt 25). Je länger das Bier kalt reift, umso klarer und damit auch rötlicher wird es am Ende werden.

Zusammenfassung & Zutaten

Red Ale selber brauen

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Rezept Nr. 8: Red Ale

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Tschüss 2018

Das Jahr 2018 neigt sich dem Ende zu. Der letzte Sud ist gebraut und abgefüllt. Zeit, für ein paar abschließende persönliche Worte.

Als Hobbybrauer bin ich mit dem Jahr sehr zufrieden. Es wurde eifrig gebraut und die Ergebnisse waren allesamt gut. Gebraut wurde alleine oder auch mal in Kollaboration. Es gab einen regen Austausch mit anderen Hobbybrauern, Gemeinschaftssude und immer wieder nette Bierpost. Vielen Dank dafür!

Was die Brauanleitung angeht, ist etwas mehr passiert als in den Jahren davor. Endlich hatte ich die nötige Zeit eine neue Version fertigzustellen und längst überfällige Anpassungen vorzunehmen. Die neue Version mit erweiterter Hopfentabelle war die Basis regelmäßig angepasste Rezepte teilen zu können. Dieses Thema soll sich in 2019 weiter entwickeln. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an Ideen, die aber allesamt noch nicht spruchreif sind. Seid gespannt! 🙂

Die Seite Brauanleitung.de läuft jetzt auf einer neuen Umgebung und ist endlich werbefrei und soll dies – wie die Anleitung an sich – auch bleiben!

Auch in Zukunft werde ich die Brauanleitung als freies und unabhängiges Projekt betreiben. Wenn dir die Brauanleitung gefällt und hilft, kannst du das Projekt freiwillig über PayPal unterstützen.

Vielen Dank!

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