Mein Braukalender entlang der Jahreszeiten

Bei der Gärung die richtige Temperatur zu haben, ist für ein gutes selbstgebrautes Bier ein wichtiger Faktor. Wenn man als Anfänger – wie ich – keine Temperatursteuerung parat hat, ist es ein sinnvoller Weg, sich ein wenig an den Jahreszeiten zu orientieren. Oftmals sind die Bedingungen dann für den ein oder anderen Bierstil passender. Ebenso ist ein Brauen anhand der Jahreszeiten sinnvoll, um besser zu planen, wenn ein bestimmtes Bier fertig sein wird. Oftmals braut man ja für einen bestimmten Anlass. Über die Jahre hat sich bei mir ein gewisser „Braukalender“ eingestellt, den ich an dieser Stelle grob vorstellen möchte.

Januar:
Der erste Brautag des Jahres ist bei mir in der Regel ein Kölsch. Zum einen liegt dies daran, dass Karneval meist im Februar ansteht und so ist dieses Bier dann pünktlich zur „fünften Jahreszeit“ fertig. Mein Keller hat zu dieser Zeit meist 16-18° Grad, so dass die Bedingungen für ein Kölsch recht gut sind. Alternativ nutze ich die Kälte im Januar für einen untergärigen Brautag und braue z.B. ein Pils.

Februar:
Im Februar steht bei mir traditionell ein britischer oder irischer Stout an. Häufig mit dem Ziel, am St. Patricks Day im März das erste Glas zu testen. Da ein Stout ein paar Wochen Reifung vertragen kann, ist dies häufig etwas knapp, aber allgemein ist ein Stout im ersten Viertel des Jahres ein feines Bier. Alternativ habe ich im Februar auch schon ein Red Ale gebraut. Gerne eben auch in der irischen Variante.

März:
Ein Pale Ale steht in der Regel im März auf dem Plan. Das Bier ist dann trinkreif, wenn man sich das erste mal im Jahr raus setzt und ggf. zum ersten Mal den Grill anmacht. Dieser leicht hopfige Stil passt dann perfekt und ist für mich eh zum perfekten Alltagsbier geworden. Ein Pale Ale braue ich fast immer als Single Hop und probiere hier auch neue Hopfensorten aus. Die Temperatur passt im März für ein Pale Ale sehr gut. Alternativ habe ich im März aber auch schon einen Porter gebraut. Gerade dann, wenn es im Februar keinen Stout gab.

April:
Der April wird zum März oftmals nur eine Stufe hopfiger und es steht ein IPA an. Auch hier passen die Bedingungen recht gut und auch ein IPA nutze ich für Single Hop Experimente. Wenn das Bier dann 4-6 Wochen später seine Trinkreife erreicht hat und der Sommer sich langsam zeigt, ist ein IPA ideal als Essensbegleiter oder Bier am Feierabend. Es gab aber auch schon Jahre, in denen im April eher leichter und weniger hopfig gebraut wurde. Hier bietet sich dann ein Brown Ale an.

Mai:
Früher habe ich im Mai gerne ein Weizen gebraut. Der Zeitpunkt war dabei ideal um 4 Wochen später – im Sommer – ein eigenes frisches Weizen am Start zu haben. Das Weizen ist in den letzten Jahren aber eher von meinem Braukalender verschwunden. Zum einen, weil es gute Weizenbiere hierzulande einfach an jeder Ecke für schmales Geld gibt und weil mich das Läutern oftmals etwas genervt hat. Seit dem braue ich im Mai gerne ein Golden- oder Summer Ale. Dies kann auch in die Richtung eines American Wheat Ale gehen.

Juni:
Ab Juni wird es meist langsam warm und es folgt die Zeit, in der es oft schwierig wird, ohne Hilfsmittel die passende Umgebung für die Gärung zu haben. Daher setze ich ab Juni gerne vermehrt belgische Hefen ein. Im Juni bietet sich z.B. ein Belgian Pale Ale mit der S-33 an. Gerne kann das Bier noch fruchtig und ggf. leicht gestopft sein. So bekommt man ein feines Bier für die folgenden warmen Sommertage. Alternativ kann es aber auch ein normales oder English Pale Ale sein.

Juli:
Da nun die Temperaturen auch in meinem Keller oftmals bei knapp 20° Grad liegen, braue ich um Juli gerne ein Wit. Zum einen kann die Hefe diese Temperatur gut ab und 4-6 Wochen später hat man im Hochsommer das perfekte Bier für heisse Sommertage. Kaum etwas erfrischt im Sommer so gut wie ein Wit! Alternativ bietet sich im Juli ein Saison an.

August:
Der August ähnelt dem Juli sehr. Daher ist meine Prio 1 im August ein Saison. Dieser Stil passt prima in die heiße Zeit, denn erstens kommt eine Saisonhefe (wie die Belle Saison) mit höheren Temperaturen gut klar und zweitens ist dieser Stil eben auch in dieser Zeit entstanden. Früher bekamen die Saisonarbeiter auf den Feldern dieses Bier als Lohn nach der Arbeit zu trinken. Somit ergibt dieser Zeitraum auch heute noch Sinn. Alternativ kann man im August aber auch ein Wit ansetzen.

September:
Im September steht endlich die Hopfenernte an! Daher ist es der perfekte Monat für eine Grünhopfenbier. Auf diesen Brautag freue ich mich jedes Jahr und es ist immer ein Highlight. Wer selber keinen eigenen Hopfen hat, sollte einfach mal rumfragen und die Augen offen halten. Alternativ bietet sich im September ein Session IPA an.

Oktober:
Wenn die Tage langsam wieder länger werden und die Temperaturen langsam wieder sinken, braue ich gerne einen zweiten Stout. Oftmals eher amerikanisch und etwas fruchtiger. Wenn das Bier seine trinkreife hat, passt es prima in den Herbst und die entsprechende herbstliche Küche. Als Alternative bietet sich im Oktober ein Dubbel an.

November:
Der November ist bei mir einer der wenigen Monate, in dem eher untergärig gebraut wird. Die Temperatur in meiner Braustätte ist dazu oftmals ideal. Im November habe ich nach vielen Suden erstmals ein Pils gebraut, mit dem ich im Anschluss sehr zufrieden war. In Zukunft steht für den November ein Münchner Dunkel auf dem Plan. Als Alternative vielleicht auch mal ein Export.

Dezember:
Im Dezember muss es dunkel und kräftig sein. Um Malzkörper und Hopfen ideal zu vereinen, ist ein Black IPA nach wie vor ein toller Bierstil. Ich finde auch, dass dieser Stil prima in die kalte Winterzeit passt. Erst recht wenn man zu US Hopfensorten wir Cascade, Columbus und Chinook greift, die viel Zitrus ins Bier bringen. Und das zu einer Zeit, in der die Regale mit Zitrusfrüchten eh gefüllt sein. Im Dezember nehme ich mir aber auch immer wieder einen Russian Imperial Stout vor. Der braucht Zeit zum lagern und ist dann das ideale Weihnachtsbier – 12 Monate später! 🙂

Alle Monate auf einen Blick:
Hobbybrauer Braukalender

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Rezept Nr. 7: Session IPA

Für Hobbybrauer ist ein Session IPA nicht gerade der einfachste Bierstil. Trotzdem sollte man sich als Anfänger davon nicht abschrecken lassen. Die Schwierigkeit bei einem Session IPA ist die Balance zwischen recht niedriger Stammwürze und viel Hopfen. Trotz einer leichten Schüttung muss das Bier Körper bekommen, um sich dem Hopfen gegenüber zu stellen. Es besteht die Gefahr, dass man einen „Hopfentee“ braut, bei dem sich die Grundzutaten ungleich ergänzen. Dieses erprobte Rezept steht für ein ausgewogenes Ergebnis.

Die Schüttung
Wie in vielen Pale Ale und IPA ist hier Pale Ale Malz die Basis. Wer möchte, kann aber auch zu Wiener Malz greifen. Das tut sich nicht viel und gerade Wiener Malz ist für die Balance eher von Vorteil. Neben diesem Basismalz enthält die Schüttung Special X (oder Red X) und Melanoidinmalz. Beide Malze sorgen nicht nur für eine leicht rötliche Farbe, sondern auch für ein vollmundiges Aroma und eben Körper. Abgerundet wird die Schüttung durch ein paar kernige Haferflocken, die direkt mit eingemaischt werden (Schritt 1).

Die Hopfung
Wie bei einem „normalen“ IPA stehen hier fruchtige Sorten und Flavour Hops im Vordergrund. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit Mosaic in einem Session IPA. Klassische US Sorten wir Simcoe und Amarillo sind aber ebenso eine gute Alternative wie Comet, Callista oder Motueka. Jeder Hopfen mit explizit fruchtiger Beschreibung stellt eine Option dar.

Die Hefe
Auch bei diesem Stil habe ich gute Erfahrungen mit der US-05. Alternativ kann die BRY-97 Westcoast oder die Mangrove Jack’s M10 Workhorse eingesetzt werden.

Was noch?
Bei diesem Rezept wird durch die Kalthopfung die doppelte Menge – also insgesamt 200g – Hopfen benötigt. Zum „Stopfen“ werden 100g des Hopfens nach Rückgang der Hochkräusen (Schritt 19) für 3-4 Tage zum Jungbier geben. Die Pellets bringen dann ihr Aroma ins Jungbier und sinken zum Boden eueres Gäreimers ab. Die Schritte „Gärende“ und „Abfüllen“ können dann wie beschrieben durchgeführt werden.

Zusammenfassung & Zutaten

Session IPA selber brauen
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Rezept Nr. 7: Session IPA

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Umstieg auf Keg Fässer

Die meisten Brauanfänger starten damit, ihr eigenes Bier in Flaschen abzufüllen. Egal, ob man mit Bügelflaschen oder Kronenkorken arbeitet, ist dies eine bewährte Methode. Ich habe meine Biere lange in Flaschen abgefüllt. Mittlerweile nutze ich fast nur noch Kegs und habe pro Sud lediglich einen kleinen Überschuss, der noch in Flaschen landet. Den Wechsel zu Kegs haben für mich drei Faktoren getrieben:

  • Die Dauer des Abfüllens
  • Der Aufwand für das Reinigen der Flaschen
  • Die Karbonisierung des Bieres

20 Liter Bier in Flaschen oder in ein Keg zu füllen ist ein erheblicher zeitlicher Unterschied. Ebenso ist ein Keg schneller gereinigt, als die ganzen Flaschen. Bei einem Bier aus der Flasche ist die Karbonisierung oftmals zu hoch oder zu schwach. Mit einem Keg kann man hier später noch regulieren. Neben diesen Vorteilen hat der Umstieg zu Kegs aber auch Nachteile:

  • Recht hohe initiale Anschaffungskosten
  • Erheblicher Platzaufwand im Kühlschrank
  • Weniger Flaschen um ggf. zu tauschen

Ich stelle euch hier mein System vor und liste alle Komponenten, die benötigt werden, um ein Bier direkt aus dem Keg zu zapfen.

  1. Keg: Es gibt am Markt zwei Systeme. NC und CC, die ihren Ursprung im Grunde bei Coca-Cola und Pepsi haben. Ich habe mich für NC entschieden. Ein Keg fasst 18 bzw. 19 Liter und passt in der Regel in einen normalen Kühlschrank. Oben befinden sich zwei Ventile. Einmal „IN“ für die CO2 Leitung und einmal „OUT“ zum zapfen des Bieres. Auf die Ventile kommen Steckkupplungen, die man einfach nur aufdrückt. Einmal gemacht ist das System verstanden. Gebrauchte grosse Kegs kosten ca. 50€. Neu sind sie wesentlich teurer.
  2. Druckminderer: Mit dem Druckminderer reguliert ihr den Zufluss des CO2 in euer Bier. Der Druckminderer sollte eine Skala bis 3 bar haben. Diese Skale ist ausreichend, um euer Bier entsprechend zu karbonisieren. Wieviel bar ein Bier bei welcher Temperatur benötigt, kann man z.B. durch Kalkulatoren im Internet oder einfache Listen berechnen und ablesen. Klingt schwierig, ist aber sehr einfach. Ein Druckminderer kostet zwischen 50-75€.
  3. Kohlensäureflasche: Die Kohlensäureflasche gibt es in verschiedenen Grössen. Ich empfehle eine 2kg Version, die den enormen Vorteil hat, dass sie von alleine steht. Obwohl die Flasche alleine steht, sollte sie aber immer ausreichend gesichert werden! Die Flasche wird über einen Schlauch und einen Adapter mit dem Druckminderer verbunden. Es empfiehlt sich – vielleicht nicht direkt – immer eine Flasche in Reserve parat zu haben, um nicht plötzlich ohne CO2 da zu stehen. Eine neue 2kg CO2 Flache kostet ca. 60-80€. Das Befüllen der Flasche mit Lebensmittel-C02 ca. 20€. Mit dem Inhalt einer Flasche kann man gut ein halbes Jahr hinkommen.
  4. Schankhahn: Damit ihr euer Bier direkt aus dem Keg zapfen könnt, brauch es einen Zapfhahn. Der Hahn kommt mit einem Adapter direkt auf das Ventil „OUT“ und wird einfach aufgesteckt. Der Hahn sollte nach Gebrauch regelmüssig gespült und gereinigt werden. Der Aufwand dafür ist aber überschaubar. Ein einfacher Schankhahn mit Adapter kostet ca. 75€.
  5. Sonstiges: Wie oben aufgeführt braucht ihr einen Adapter zwischen Keg und Druckminderer und einen Schlauch für die Kohlensäure. Die Kosten liegen bei ca. 25€. 

Der Wechsel zum Keg mag auf den ersten Blick aufwendig und kompliziert sein. Hat man den Prozess aber einmal durchgespielt, ist es im Handling sehr einfach und die Zeitersparnis ist nicht zu unterschätzen. Eine Vielzahl an Videos im Netz helfen, um das Abfüllen in Kegs zu lernen und Fachhändler (im Internet) unterstützen euch bei der Zusammenstellung des Warenkorbs. 

Vielleicht gönnt sich der ein oder andere so ein Setup ja zu Weihnachten. 🙂

Umstieg auf KEGs

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